![]() Sekundärliterarische Reihe 49 |
Zu sagen, dass Dr. Franz Rottensteiner in die erste Riege der deutschsprachigen Kritiker der phantastischen Literatur gehört, wäre ein den wahren Sachverhalt sträflich verzerrendes Understatement: In Wirklichkeit führt er sie souverän an. (Was er allerdings aus Bescheidenheit nicht zuzugeben bereit ist.) In ihm scheint sich übrigens Sir Karl Poppers Scheinwerfertheorie zu inkarnieren: Er ist ein Kundschafter, der auf der Suche nach der Wahrheit (den Tatsachen) ins Dunkel des besagten Nirgendwo vorstößt. Bevor aber die Wahrheit gefunden werden kann, muss es bekanntlich vorher eine diesbezügliche Vermutung geben. Sie kann ihre Wurzel aber wiederum nur in der Phantasie haben, so dass sich die Entdeckung der Wahrheit jedes Mal zu einem kreativen Akt entfaltet. Die der Phantasie entspringende Vermutung funktioniert wie ein Scheinwerfer, dessen Lichtgarbe das Dunkel des Nirgendwo zerschneidet und punktuell ausleuchtet. Aus der Finsternis wird so die Wahrheit über das jeweils als zu entscheidende Frage Anstehende zum Vorschein gebracht, damit auch die anderen sie zu Gesicht bekommen können. Die Lichtstrahlen aus Rottensteiners Scheinwerfer der Vermutung interpretieren aus dem Unstrukturierten gestaltgebend Sinn und Bedeutung heraus. Sie, die sich nicht selten im sonst dunklen Nirgendwo kreuz und quer überschneiden, summieren sich zu einer komplexen und formschönen interpretatorischen Lichtarchitektur, die Aufschlüsse gibt, erläutert und kommentiert. Über den Autor: Über den Herausgeber: Dr. Jacek Rzeszotnik, (1967, Kluczbork/Polen), 19861991 Studium der Germanistik an der Universität Wroclaw/Breslau. Abschluss mit der Arbeit: Menschen, Mutanten, Maschinen und Fremdwesen. Konfliktsituationen im literarischen Schaffen von Ernst Vlcek. Seit 1990 (noch als Student) wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Moderne Deutschsprachige Kultur- und Literaturgeschichte am Germanistischen Institut (Universität Wroclaw/Breslau). 1998 Promotion mit der Arbeit Literarische Kommunikationsstrategien. Zum Bestsellerroman und dessen Autoren in der zweiten Hälfte des 19. und des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Karl May und Johannes Mario Simmel (Corian Verlag Heinrich Wimmer, Meitingen 2000). Bücher, Aufsätze und Rezensionen zur modernen populären Literatur. Mitarbeiter einiger literatur- und sprachwissenschaftlicher Zeitschriften, diverser Lexika und der Heyne-Science Fiction-Jahrbücher. Herausgebertätigkeit: Österreich-Bibliothek. Mitherausgeber der Universitätszeitschrift Annäherungen Polen-Deutschland. Mitglied des literarischen Beirats des EDFC. |